Hauptgebäude - Das Neue Schloss

Historisches Luftfoto des Neuen Schlosses (Quelle: Ströbele)
Historisches Luftfoto des Neuen Schlosses (Quelle: Ströbele)

Das Hauptgebäude der Anlage ist weithin sichtbar und bildet den Endpunkt der Sichtachse durch den Ort. Umgeben von einem Park im Süden, grenzt die Anlage im Norden an den romatischen Gondelteich. Über die Jahrhunderte erfuhr dieses Gebäude, unabhängig von den umgebenden Bauten, durch verschiedene Eigentümer eine ganz unterschiedliche Verwendung - vom Amtsgebäude und herrschaftlichem Sommersitz bis hin zu Internat und Schule.

Architektur

Die Außenwände des Neuen Schlosses sind gesetzt aus Bruchsteinen des anstehenden Rhyoliths. Vorbereitet im Mauerwerk ist die Fassadengliederung mittels etwa um 10 cm vorstehender Mauerstreifen für Kolossalpilaster und Fasziengesims. Erd- und erstes Obergeschoss sind mittels toskanischer rustizierter Kollossalordnung gestalterisch zusammengefasst. Vorbereitet im Mauerwerk über den Pilasterstreifen hinaus sind Abakus und Echinus der Kapitelle und die Basen (abgewittert). Alle Fassaden sind mit Eckpilastern versehen, die Westfassade zusätzlich mit einem Mittelpilaster, Nord- und Südfassade jeweils zusätzlich mit zwei Pilastern, die die mittleren drei Achsen unter einem Dreiecksgiebel betonen. Ein Fasziengesims oberhalb der Kapitelle, in Sohlbankhöhe des 2. Obergeschosses, verläuft um das gesamte Gebäude. Sämtliche Oberflächen sind bzw. waren verputzt. Für die Fenster und die beiden Eingänge wurden Werksteingewände aus rotem Sandstein verwendet. Das Dachwerk ist ein Walmdach mit doppelt stehendem Stuhl. Die Dachfläche ist nachträglich mit, auf jeder Seite, drei Gaupen versehen worden.

Das im Grundriss querrechteckige Neue Schloss ist ein dreigeschossiger, sieben- bzw. vierachsiger, nach allen Seiten symmetrischer Putzbau mit Walmdach. Die jeweils siebenachsigen Nord- und Südfassaden sind völlig identisch aufgebaut. Eine leicht höhere Gewichtung der Nordseite ergibt sich im Grundriss aus der Lage des Festsaales mit Hauptzugang auf der Nord- und der (ursprünglichen) Vertikalerschließung auf der Südseite. Die Treppenanlage im zentralen Korridor war zur Bauzeit auf der Südseite angelegt, wurde jedoch zu beginn des 20. Jahrhunderts auf die Nordseite verlegt, obwohl die Erschließung weiterhin primär über die Nordseite erfolgte. In das Gebäude wurden vermutlich teile einer älteren Bebauung integriert. Hinweise darauf liefert ein Teil des Erdgeschosses, das im Gegensatz zu den übrigen Räumen als massives Tonnengewölbe ausgeführt ist und dessen Geometrie nicht mit der Gliederung des übrigen Gebäudes übereinstimmt.

Vor der Südfassade wurde ein Park angelegt. Auf der Nordseite liegt ein gepflasterter Hof, über den der Zugang zum Gebäude erfolgte. Wenige Meter nord-westlich des Hauptgebäudes liegt das Verwalterhaus. Nördlich und östlich wird das Neue Schloss von weiteren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden eingefasst. Südlich, im Verlauf der Burgstraße, liegen weitere Gebäude der ehemaligen Domäne.

Vorgängerstrukturen

Im Rahmen von Ausgrabungen wurde bis August 2016 der Fußboden im Erdgeschoss des Neuen Schlosses großflächig aufgenommen. Dabei kamen Reste verschiedener Strukturen zum Vorschein, die mit der Nutzung des Geländes als Vorwerk, seit mindestens 1503, im Zusammenhang stehen dürften. Die aufgedeckten Strukturen und Fundamente passen nicht eindeutig zum Grundriss des Neuen Schlosses und stammen wahrscheinlich vom unmittelbaren Vorgängergebäude. 

Die ältesten nachgewiesenen Strukturen sind unregelmäßige Bruchsteinoberflächen, die von einer Pflasterung mit dem Rest einer Geleisespur überdeckt sind. Diese Geleisespur ist gegen die Ausrichtung der Mauern des Neuen Schlosses verdreht und entspricht stattdessen der Ausrichtung des ehemaligen Verwalterhauses und der südlich anschließenden Domänenbebauung in der Burgstraße. Diese Gebäude scheinen auf eine ältere Wegeführung Rücksicht zu nehmen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die freigelegten Bodenbefunde deuten auf eine ältere Wegeführung und Bebauung, welche durch die Ausrichtung der Gebäude der Burgstraße 38-41 und des ehemaligen Verwalterhauses heute noch nachvollzogen werden können und die auch den Katastergrenzen nördlich des Neuen Schlosses teilweise entspricht.

Gegenwart und Zukunft

Seit der letzten Nutzung 1986 stand das Gebäude leer und war damit dem Verfall preisgegeben. Der Zahn der Zeit nagte umso deutlicher an der Substanz, da im 20. Jahrhundert mehrmals Umbauten am Gebäude, in bedenklicher Qualität, erfolgten und Reparaturen nur dürftig ausgeführt wurden, was wohl einerseits dem politischen System und dessen Umgang mit feudalistischen Gebäuden, als auch dem Materialmangel geschuldet war.

Bei einer Sanierung im späteren 20. Jahrhundert sind viele Bereiche nur auf einfachste Art wiederhergestellt worden. Von der originalen bzw. originalintendierten Fassade sind heute lediglich zweieinhalb Pilasterkapitelle an der Nordfassade sowie wenige Bereiche des Pilaster- und Gesimsputzes erhalten. Insbesondere die Sandsteinoberflächen sind in schlechtem Zustand, stark zurückgewittert, ausgebrochen oder sogar abgeschlagen. Auch die Dachgaupen wurden in diesem Zeitraum entfernt. Die Substanz hat derart gelitten, dass dringende Sicherungsarbeiten notwendig sind, um den Verfall aufzuhalten.

Im Jahr 2015 fasste der ortsansässige Allgemein- und Kurmediziner Dr. André Haas den Entschluss, das Gebäude in ein neues Kurkonzept für den staatlich anerkannten Luftkurort Neustadt zu integrieren und nach der Sanierung einer Nutzung zuzuführen. Seither laufen umfangreiche Maßnahmen zur Erforschung, Sicherung und Restaurierung des Gebäudes und seines Umfeldes. Ein erster großer Erfolg gelang bereits mit der sehr aufwendigen, denkmalgerechten Vollsanierung des angrenzenden Verwalterhauses, dass ab dem Jahr 2019 genutzt werden kann.

Aktuell läuft die Sicherung und Sanierung des Gebäudes mt Hilfe von Spenden unter der Regie des eigens gegründeten Fördervereins. Wir hoffen so, das Gebäude in absehbarer Zeit wieder nutzbar zu machen und einer neuen Bestimmung zuzuführen.

Pläne & Downloads

Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Dachgeschoss
Grundriss Dachgeschoss
Nordfassade
Nordfassade
Ostfassade
Ostfassade
Südfassade
Südfassade
Westfassade
Westfassade

Downloads

Bauhistorische Untersuchung durch Wittwar Tomaschek

Neustadt-Neues-Schloss-Bauforschung.pdf

Fassadenplände Neues Schloss von Wittwar Tomaschek

Neustadt-Neues-Schloss-Fassadenplaene.pdf [7,33 MB]

Impressionen

  • 2017 - Südansicht des Neuen Schlosses
    2017 - Südansicht des Neuen Schlosses
  • 2017 - Westansicht des Neuen Schlosses
    2017 - Westansicht des Neuen Schlosses
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